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Jakob Schmid
Geboren am 3. November 1886 in Pipinsried, Bezirksamt Dachau, gestorben am 16. Dezember 1957 in Dachau. In seinem Haus überlebt das sozialdemokratische Erbe der Dachauer das Dritte Reich. Jakob Schmid wachst zusammen mit drei Brüdern in einer bäuerlichen Familie in Pipinsried auf. In jungen Jahren verdingt er sich auf einem Bauernhof als Knecht, um so zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen. Später macht er noch eine Lehre als Maurer. Schmid ist 28 Jahre alt, als der erste Weltkrieg ausbricht; er wird Soldat und kämpft in den Reihen der bayerischen Chevaulegers (leichte Reiter) in Frankreich. Während eines Heimaturlaubes in Dachau im Jahre 1917 feiern er und seine Frau Magdalena Hochzeit.
Eintritt in die SPDNach Kriegsende tritt Jakob Schmid am 6. Januar 1919 der SPD in Dachau bei, die dort seit 1905 als Ortsverein besteht. 1925 wird er Vorsitzender der Dachauer SPD und bleibt es bis 1932. Jahrelang leitet er außerdem den Dachauer Arbeitergesangsverein Bei der letzten freien Gemeinderatswahl kommt Schmid - er wohnt inzwischen in der Dachauer Mühlbachstraße 11 - am 7. Dezember 1929 mit dem Listenplatz Nr.6 in den Dachauer Gemeinderat. Nach der sogenannten Machtergreifung der Nationalsozialisten geraten auch die Dachauer SPD - Mitglieder mehr und mehr unter Druck. Vom 21. März bis zum 4 April 1933 wird die SPD von den neuen Machthabern zum erstenmal befristet verboten. Ebenfalls am 21. März zwingt das bayerische Innenministerium Schmids Parteifreund und Zweiten Bürgermeister von Dachau. Franz Xaver Böck sen . zum Rücktritt. Begründung: Als "Mitglied einer marxistischen Partei" wird ihm die Ausübung des Amtes bis auf weiteres untersagt Am 24 März 1933 teilt Böck dem Gemeinderat Dachau mit: "(...) .erkläre ich hiermit freiwillig meinen Rücktritt als derzeitiger Zweiter Bürgermeister meiner Heimatgemeinde Dachau, ebenso auch als Mitglied des Gemeinderats." Häftling im Konzentrationslager DachauAm 22 Juni wird die SPD endgültig verboten. Schmid fällt wie viele seiner Genossen einer Verhaftungswelle zum Opfer. Eines Tages um vier Uhr morgens wird er aus dem Bett geholt Da das Dachauer Gefängnis überfüllt ist, werden Schmid, Franz Xaver Böck jun. und Josef Straßer ins Konzentrationslager Dachau eingeliefert, wo sie viele Dachauer Kommunisten wiedertreffen. Schmids Familie bleibt unterdessen ohne finanzielle Unterstützung. Nach vier Monaten wird Schmid aus der "Schutzhaft" entlassen, bekommt aber weiter die Schikanen des NS Regimes zu spüren. Zunächst wird er mit einem Arbeitsverbot belegt Ein Bauunternehmen in Stetten (Bezirksamt Dachau) beschäftigt ihn in dieser Zeit ohne Papiere, damit er seine Familie ernähren kann. Wegen des Facharbeitermangels im Krieg kann Schmid trotz seiner politischen Gesinnung sogar Polier werden. Arbeit im UntergrundDas Leben im Konzentrationslager Dachau hat er nicht vergessen. Als ehemaliger Häftling weiß er um die Not der Inhaftierten. Wiederholt hilft er Gefangenen der Außenkommandos mit Brot und Zigaretten, indem er mit seinem Fahrrad an ihnen vorbeifährt und unauffällig diese Geschenke »verliert«. Schmid führt die Parteiarbeit im verborgenen weiter und hält Kontakte zu seinen Genossen Georg Andorfer, Franz Xaver Böck jun., Ludwig Ernst, Stefan Stegmann und Josef Straßer sen. Einige Parteidokumente aus der Weimarer Zeit, darunter das alte Protokollbuch, versteckt er im Dachstuhl seines Hauses. Die Freunde um Jakob Schmid und Georg Andorfer machen sich auch Gedanken darüber, wie sie die militärische Verteidigung Dachaus durch die Nationalsozialisten verhindern können, um weitere Opfer und die Zerstörung der Stadt zu vermeiden. Bevor es am 28. April 1945 zum Dachauer Aufstand kommt, erfahren sie durch Zufall von der Existenz einer zweiten Widerstandsgruppe um Georg Scherer und Walter Neff. Schmid, Andorfer und andere Genossen schließen sich ihr an und wollen, notfalls auch mit Gewalt, gegen die Nationalsozialisten vorgehen. Demokratischer NeuanfangNach der bedingungslosen Kapitulation am 8. Mai 1945 sind die Amerikaner sehr bald daran interessiert, daß Deutsche an der Verwaltung der US-Zone beteiligt werden. Bekannte Hitler-Gegner, darunter Jakob Schmid, schließen sich in Dachau zum »Antifaschistischen Arbeitsausschuß« (AFA) zusammen. Ein Ziel dieser Gruppe ist es, nationalsozialistische Funktionsträger und aktive Parteigenossen aufzuspüren, um sie später zur Rechenschaft zu ziehen. Auf diese Weise soll einer neuen, freien Gesellschaft der Weg bereitet werden. Außerdem übernimmt der Ausschuß die Aufgabe, die Dachauer Bevölkerung mit den nötigsten Lebensmitteln zu versorgen, die Einwohner vor Plünderungen zu schützen und die vielen tausend toten KZ-Häftlinge zu bestatten. Alois Seitz, der erste Vorsitzende des Dachauer AFA, schildert die Tätigkeit seiner Organisation folgendermaßen: »Alle Fragen der Stadtverwaltung, Konzessionsgesuche, Geschäftseröffnungen, alle Fragen, die einer politischen Überprüfung bedürfen, werden im AFA-Ausschuß erledigt - auf demokratischer, antifaschistischer Grundlage.« Politische Parteien sind zunächst von der amerikanischen Besatzungsmacht nicht erlaubt. Dennoch kommen am 26. August 1945 in Dachau Sozialdemokraten und Kommunisten zusammen und gründen eine Aktionsgemeinschaft, die Vorgängerin einer künftigen Einheitspartei sein soll. Für die SPD unterzeichnet an oberster Stelle Jakob Schmid das Dokument, für die Kommunisten Hans Moosrainer. Am 2. August 1945 wird in Dachau von Jakob Schmid und Alois Seitz eine Einheitsgewerkschaft gegründet. Schmid übernimmt das Amt des Gewerkschaftssekretärs. Am 5. September 1945 kann er dann mit Erlaubnis der Amerikaner als ehemaliger Vorsitzender die Neugründung der SPD in Dachau einleiten. Die Gründungsversammlung besuchen 36 Genossen. Sie wählen Schmid wieder an die Spitze der Partei. Bruch mit den KommunistenAls die erste Kommunalwahl nach dem Krieg heranrückt, beginnt das Bündnis mit den Kommunisten zu zerbrechen. Bei der Gemeindewahl am 27. Januar 1946 treten beiden Parteien gegeneinander an. Von 19 Stadtratssitzen erhält die SPD fünf, die KPD zwei, der Bayerische Volksbund zwölf. Zusammen mit Jakob Schmid ziehen Ludwig Ernst, Georg Salvermoser, Georg Andorfer und Josef Straßer in das kommunale Parlament ein. Kurz darauf kommt es zum endgültigen Bruch mit den Kommunisten: In einer Mitgliederversammlung am 24. März 1946 stimmen 48 Sozialdemokraten gegen eine Verschmelzung mit der KPD, nur vier votieren dafür, und drei enthalten sich der Stimme. Im Jahre 1947 gibt Jakob Schmid das Amt des SPD- Ortsvorsitzenden ab, um sich ganz der Gewerkschaftsarbeit widmen zu können. Er leitet die Gewerkschaft bis 1952. Dann übernimmt er nochmals für drei Jahre das Amt des Parteivorsitzenden. 1955 tritt der Sohn Rudi an die Stelle des Vaters. Im Jahre 1956 scheidet Jakob Schmid aus dem Stadtrat aus und nimmt im Kreistag sein letztes politisches Mandat wahr. Am 16. Dezember 1957 stirbt er in Dachau. Dokumentation: Volker C. Koch |
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